Freitag, der 13., und unsere Grande Dame weiß genau, wie sie mich auf Touren bringen kann.

Meine Wurfplanung war gut und ausführlich überlegt. Es sollte, um den Genpool zu erweitern, keine Wurfwiederholung werden, denn davon gibt es aus reiner Bequemlichkeit bei den Manchester Terriern bereits genug. Es sollte ein kleiner Rüde werden, aus einer kleinen und feinen Linie, gerne hätte ich diesen mit Ambra ausprobiert. Und dieser Rüde sollte nicht allzu weit weg wohnen. Denn wegen den hier liegenden Audrey-Kindern wollte ich nicht durch halb Deutschland fahren und auch nicht irgendwo übernachten müssen. Es fand sich ein kleiner, hübscher Rüde - den ich bereits im April das erste Mal vorsichtig angefragt hatte. Er hatte noch keine Zuchtzulassung, aber die sollte er natürlich bekommen. Nun für uns war es nicht früh genug, denn Ambra hatte andere Pläne.

Sie wurde am 1. September läufig, da im letzten Jahr der 14. Tag der Günstigste war, hätte alles klappen können. Knapp aber passend. Am Mittwoch waren wir zum Progesterontest, nachmittags um 16 Uhr. Der Wert war bei 0,00. Der Tierarzt betonte, ich hätte noch viiiieeeel Zeit, ich solle am Freitag wieder kommen. Das Decken würde vor Sonntag eh nicht nötig sein. Wunderbar.

Der Test, Freitag, der 13., mittags um 12 Uhr belehrte uns eines Besseren. Da hieß es nur noch JETZT. Von Null auf JETZT in 44 Stunden. Ebenfalls verblüfft aber sehr energisch, betonte der Tierarzt das Wörtchen JETZT sechs Mal in drei Sätzen. Mir blieb die Luft weg. Jetzt werden so einige Schlauberger behaupten, Pech, ich hätte auf die Signale meiner Hündin hören sollen, denn die kennt man jawohl nach drei Würfen. Falsch, denn hier herrscht momentan aufgrund Audreys Welpen eine neue Situation. Ambra ist mit denen beschäftigt und hat sonst keine Wünsche. Ich fühlte mich in den letzten Tagen von ihr nicht genötigt und war völlig relaxt. Dieser Wert traf mich tatsächlich absolut unvorbereitet. Was nun? 

Die Rüdenbesitzerin und ich, waren uns einig, das wir keine Regeln brechen werden und das ihr Rüde unter diesen Voraussetzungen nicht mehr in Frage kam. Zwischen JETZT und der Zuchtzulassung lagen genau 24 Stunden.

Nun finde mal flott einen Deckrüdenbesitzer, der seinen Hund mal eben ganz spontan als zweite Wahl hergibt. . . (!!!)  Dieses Dilemma durfte ich mir zum Glück ersparen.

Familie Mull weiß genau, das Bounty für mich niemals nur zweite Wahl ist, sondern das ich dieses Mal vernünftig sein wollte. Uns trennten 417 km und die Uhr machte weiterhin TikTak. Aber, man ist selber völlig verblüfft, wie egal auf einmal 800 km sein können. Ich sortierte mich ein knappes Stündchen, zitierte meinen Mann etwas früher ins Wochenende nach Hause, zu Kindern und Welpen, und machte mich um 14 Uhr mit Ambra auf den Weg.

Je mehr Kilometer wir hinter uns brachten, desto besser wurde meine Laune. Denn mich überkam die vollkommene Gewissheit, das das genau so sein sollte. Dank Freitagnachmittag-Berufsverkehr und einer kurzen Pause, erreichten wir um 19.15 Uhr das begehrte Ziel. Um 20 Uhr saß ich bereits mit einem glücklichen Hund wieder im Auto. Da der Deckakt flott und gut gelaunt über die Bühne ging, wurde mir klar, das JETZT tatsächlich JETZT und nicht zu spät war.

Um kurz nach Mitternacht trudelten wir wieder zuhause ein. Bequem ist anders! Ich bin optimistisch. Aber, ob die „Nummer auf die letzte Minute“ tatsächlich Früchte trägt, erfahren wir in vier Wochen.